Historie

Die Herkunft der Deutschen Dogge

  • Auszüge aus dem Buch von W. Nouc
    “Unsere Dogge – Woher sie kam und wie sie wurde”

Urhunde

Die Wissenschaft hat sich seit der letzten Hälfte des vergangenen  Jahrhunderts bemüht, Aufschlüsse über die Entwicklung unserer Haushunde  zu finden. In den großen Abfallhaufen der Kjökkenmöddiger (Muschelesser) entdeckten sie die Skelette der Übergangsformen vom Wolf zum Hund.  Funde von Hundeknochen, die bei Ausgrabungen zutage gefördert wurden und  altersmäßig etwa auf 8000 bis 10 000 Jahre geschätzt werden, ließen  bereits die Vielfalt der nachfolgenden Formen des Hundes erkennen. Man  hat diesen Urhunden einprägsame Namen gegeben wie Bronzehund,  Aschenhund, Torfhund, Pfahlhausspitz, Lagerhund, Wolfshund. “Qout canes  tot colores. So viele Hunde, so viele Farben.” Oder noch besser, so  viele Farben und so viele Formen, die sich, durch natürliche und  menschliche Zuchtwahl begünstigt, aus diesen Urtypen im Laufe der  verschiedenen Kulturepochen entwickelten.
Uns interessiert hiervon  nur die Gruppe der doggenartigen Hunde. Dabei wollen wir nicht in den  Fehler verfallen, den Ursprung unserer Dogge in direkter Abstammung zu  der einen oder anderen Urhundform zu sehen und den Stammbaum eines jetzt gewölften Welpen in vorgeschichtliche Zeiten zurückführen.

Doggenartige Hunde

Die Kynologen rechnen zu den Doggenformen ganz allgemein zunächst Rassen  mit kräftigem Gliederbau, breitstirnigem Kopf, sehr stark entwickeltem  Schnauzenteil bei tief herabhängenden Lefzen und Neigung zur  Faltenbildung der Kopfhaut. Sie begegnen uns in den heutigen Rassen der Tibetdogge, des Mastiffs, des Boxers, der Bordeauxdogge, der Deutschen  Dogge, des Neufundländers, des Bernhardiners, Hovawarts und des  Leonbergers. Doch solche Formen finden sich auch bei den kleineren  Rassen, zum Beispiel beim englischen Mops und bei der französischen  Bulldogge, so dass doggenartig nicht gleichbedeutend mit Größe sein  muss.

Jagd und Kampfhunde der Assyrer

Die älteste Abbildung eines doggenartigen Hundes liefert uns eine Reliefplatte aus  einem im 12. Jahrhundert v. Chr. erbauten babylonischen Tempel, welcher  380 v. Chr. durch Nebukadnezar erneuert wurde. Wir sehen hier einen  gewaltigen doggenartigen Hund, der von einem Assyrer an geflochtenem  Riemen geführt wird. Dieser assyrische Kampfhund ist sehr ähnlich dem  heutigen Tibethund und trotz seiner scheinbar kurzen Behaarung mit  diesem identisch. Überhaupt scheint das Hochland von Tibet der  Ausgangspunkt aller doggenartigen Hunde gewesen zu sein. Denn immer  wieder erwähnen die Schriftsteller des Altertums die indischen Hunde,  welche zuerst von Assyrern und Persern, später von Griechen und Römern  gehalten wurden. Es ist anzunehmen, dass mit diesem indischen Hund der  Hund von Tibet gemeint ist, welcher am Fuße des Himalajas in Indien  vorkam.
Alexander der Große hat von seinem Zug nach Indien  doggenartige Hunde als Geschenk mitgebracht, die dann auf griechischem  Boden die berühmt gewordene Zucht der Molosser begründeten. Später  wurden diese Hunde von Griechenland aus in den römischen Kulturkreis  abgegeben, und zu Beginn der Zeitrechnung gelangten Molosser-Hunde über  die Alpen in die Länder Mittel- und Westeuropas.
Es liegt auf der  Hand, dass die kulturell so hochstehenden Römer auch bereits  kynologische Rassenzucht betrieben und neben den schweren Kampfhunden  leichtere, doggenartige Formen zur Jagd heranzüchteten. Daneben  importierten sie bereits die vielfach gerühmten britannischen Hunde, die in römischen Arenen als Kampfhunde gegen die Molosser Nordgriechenlands eingesetzt wurden. Die Auswahl dieser Hundegladiatoren traf ein eigens  von den Römern dafür eingesetzter »procurator cynogie« mit Sitz in  Winchester. Es ist zu vermuten, dass diese später in ganz Europa so  berühmt gewordenen Hunde Nachkommen der von den Kelten mit nach England  und Irland eingeführten Hunde waren, die in ihrer neuen Heimat mit dem  Irischen Wolfshund gekreuzt wurden.
Aus Schädelfunden großer Hunde  ist erwiesen, dass es zur gleichen Zeit auch doggenartige Hunde in  Mittelrussland, Polen und Mitteldeutschland gab. Von den Germanen wissen wir, dass große, doggenartige Hunde sie auf ihren Kriegszügen  begleiteten und sich besonders bei der Verteidigung der Wagenburgen  hervor taten. In den alemannischen Gesetzen des 7. Jahrhunderts n. Chr.  stoßen wir bereits auf eine Anzahl von Hundetypen, die zur Jagd  eingesetzt wurden. Das Töten dieser Hunde war unter Strafe gestellt.  »Wenn jemand einen guten Saurüden, der Schweine fängt, einen  Bärenfänger, welcher Bären fasst, oder welcher die Kuh und den Stier  packet, tötet, so wird er mit drei Solidis gebüßt.«

Die Hatzrüden des Mittelalters

Die Geschichte der Hunde des Mittelalters ist verbunden mit den  Jagdgepflogenheiten jener Tage. Fürstliche Jäger, hoch zu Ross, eine  Meute von Hunden mit sich führend, die Mannschaft ganzer Dörfer zu  Treiberdiensten verpflichtet, so machte man Jagd auf Wildschwein, Bär  und Wolf, die in großen Mengen in den ausgedehnten Wäldern Mitteleuropas auftraten. Es war die Zeit, die uns Riedinger und van Dyck in  glänzenden Bildern vor Augen geführt haben. Die ersten Berichte über die Hatzrüden finden wir in den Beschreibungen der Jagden Landgraf Philipps des Großmütigen von Hessen, welcher ein Äußerst leidenschaftlicher  Jäger war. Die hier erwähnten englischen Hunde waren hochläufige, starke Tiere, welche Anfang des 16. Jahrhunderts von den fürstlichen Höfen des Kontinents aus England bezogen wurden. Entstanden waren sie aus einer  Kreuzung des Mastiffs mit dem irländischen Windhund. Den Zwinger, in  welchem sie gehalten wurden, nannte man den englischen Stall, während  die Hunde selbst unter den Namen Rüden, Hatzrüden, Saufänger oder  Saupacker bekannt waren. Johann Täntzers »der Dianen hohe und niedere  Jagtgeheinmis« (1699) gibt uns eine sehr eingehende Schilderung dieser  großen Doggenarten. Um diese wertvollen Hunde bei der Jagd vor  Verletzungen zu bewahren, wurden ihnen besondere Panzer angelegt.  Täntzer beschreibt diese Jacken als aus braunem Parchen oder Baumseide  bestehende, wohlgefütterte, ausgestopfte Panzer, welche an Brust und  Bauch des Hundes mit Fischbein ausgelegt waren. Nach Täntzer wählten die »großen Herren« aus ihren Meuten die schönsten und größten als Leit-  und Kammerhunde, die silberne und silbervergoldete Halsbänder trugen,  die mit Samt gefüttert und mit kostbaren Fransen besetzt waren. Von der  Leistungsfähigkeit dieser Hatzrüden des Mittelalters zeugen die  ungeheueren Strecken, welche die Jagden des Landgrafen Philipp und  Wilhelm IV. im Habichtswald, Reinhardswald und Kaufunger Wald lieferten. Im Jahre 1559 schrieb Landgraf Philipp an den Herzog Christoph von  Württemberg: »In dieser Schweinehatz haben wir mit unseren Hunden, die  wir selbst gezogen, gute Lust gehabt und über 1120 Saue gefangen.« Wie  gefährlich diese Jagden mitunter für die beteiligten Jäger waren,  ersehen wir aus einem Schreiben Landgraf Philipps IV. In jenem Schreiben beklagt er den Tod seines frömmsten Kammerjunkers, Claus Rantzau,  welcher mit dem Spieß in die Suche gegangen und von einem Keiler  angenommen wurde, der ihm die große Ader des linken Schenkels mit den  Gewehren aufgerissen und ihn so getötet hatte. Große Verluste erlitt man natürlich an den Rüden selbst. “Wer Schweinsköpfe haben will, muss  Hundsköpfe dranwenden”, sagte ein Sprichwort der damaligen Zeit. Im  Laufe des 18. Jahrhunderts hörte der Import englischer Hunde allmählich  auf; man gab einheimisch gezüchteten Hunden den Vorzug. Der Grund mag  aber auch darin zu suchen sein, dass mit dem geringer werdenden  Wildbestand und dem Gebrauch der Feuerwaffen große Hundemeuten nicht  mehr benötigt wurden. Hatz- oder Hetzhunde wurden nur noch in kleinerer  Anzahl an den Jägerhöfen der fürstlichen Domänen gehalten. Anfang des  19. Jahrhunderts gingen diese Hunde immer mehr in privaten Besitz über.
Was nun das Exterieur der mittelalterlichen Hatzrüden betrifft, so finden  wir alle Farbschläge unserer heutigen Deutschen Dogge, wie dies aus den  Überlieferungen damaliger Jagdschriftsteller hervorgeht. Der  ursprüngliche Typus erhielt sich am längsten in Hessen in Form eines  gelben Schlages. »Herr Wildmeister Otto-Kassel, der vom Jahre 1860 bis  1870 dem Kurhessischen Jägerhof als Hofjäger angehörte, hat die Güte,  mir noch einige Einzelheiten über die letzten ihres Stammes mitzuteilen. Danach waren es energische Hunde von gelber, rotgelber, gewölkter Farbe und schwarzem Fang und zum großen Teil hohe und flächtige Tiere, welche ausschließlich zum Fangen außerhalb der Suche von Sauen verwendet  wurden« (Göschel).

19. Jahrhundert – Ein Name wird zum Begriff

Es gibt wohl kaum eine andere Hunderasse, deren Name so viel Verwirrung  stiftete: Saupacker, Hatzrüden, Fanghunde, Dänische Dogge, Ulmer Dogge,  Tigerdogge und Bismarckdogge waren die Namen, unter denen die Dogge in  der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt war. Hier begegnen sich  altüberlieferte Namen mit denen örtlicher Zuchtgebiete. Süddeutschland,  hier vor allem Württemberg, wurde bekannt durch die Zucht der  weiß-schwarz gefleckten Dogge, genannt Ulmer Dogge. Die Züchter des  norddeutschen Raumes favorisierten die blauen und gelben Farben, von  Laien auch heute noch häufig als Dänische Doggen bezeichnet.
Wie es  zu der Bezeichnung »Tigerdogge« für unsere weiß-schwarz gefleckten  kommt, ist nicht ganz ersichtlich. Vielleicht leitet sich der Name ab  von jenen großen Doggen dieses Farbschlages, die, wie berichtet wird,  mit Tigern zusammen in zoologischen Gärten gehalten wurden oder in  Zirkusarenen auftraten. Möglich ist auch, dass sich der Name ableitet  von den Scheckenpferden, wie wir sie im Apaloosa oder Indianerpferd  finden (tiger horse).
Mitte des 19. Jahrhunderts wird Deutschland  von der von England ausgehenden Mode des “Hundesports” erfasst. Die  erste deutsche Hundeausstellung findet 1863 in Hamburg-Altona statt. Zu  dieser Veranstaltung erscheinen ebenfalls Doggen, und zwar sind acht von ihnen gemeldet als Dänische Doggen und sieben als Ulmer Doggen.
Auch auf den folgenden Ausstellungen in Hamburg (1869 und 1876) und Hannover (1879) wird in dieser Unterscheidung gerichtet, obwohl 1876 bereits  eine Gruppe von Richtern erklärt, dass es unmöglich sei, diese  Einteilung beizubehalten, da es sich hier um ein und dieselbe Rasse  handele. Ihr Vorschlag: alle Farben unter einer gemeinsamen Bezeichnung  »Deutsche Dogge« zusammenzufassen. Die endgültige Entscheidung hierzu  fällt allerdings erst im Jahre 1880 in Berlin, als unter dem Vorsitz von Dr. Bodenius in einer Richterversammlung der Name »Deutsche Dogge«  festgelegt wird.
Wir dürfen stolz darauf sein, dass dieser Name zu  einem kynologischen Markenzeichen geworden ist und Deutschland von allen Mitgliedsländern der weltweiten Fédération Cynologique Internationale  (FCI) als Ursprungsland dieser Rasse anerkannt wird. Doch keine Rose  ohne Dornen. In Frankreich und in den angelsächsischen Ländern wird  unsere Dogge immer noch als “Grand Danois” oder “Great Dane” bezeichnet, also »großer Däne«. Warum gerade dieser Name, der im Übrigen zum ersten Male von dem französischen Naturalisten Buffon (1707-1788) literarisch  verwendet wird, Eingang gefunden hat, wird wohl immer ein Rätsel  bleiben. Es gibt jedenfalls keinen Hinweis dafür, dass Dänemark an der  Schöpfung und Formung dieser Rasse einen besonderen Anteil hat. Ich  vermute, dass hier politische Ressentiments zu einer abweichenden  Namensgebung geführt haben; eine Reaktion unserer westlichen Nachbarn  auf das im Deutschland jener Tage zur Schau gestellte  Nationalbewusstsein.
Im Jahre 1870/71 wurde der Deutsch-Französische Krieg von Preußen gewonnen und König Wilhelm 1. von Preußen im Schloss  zu Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Gründer dieses ersten  Deutschen Reiches war der Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck, ein  Mann, dessen Liebe seit seiner frühesten Jugend der Dogge galt. Was lag  also näher, als bei der Namensgebung für eine große majestätische Rasse  den Namen >>Deutsch<< zu wählen und die »Deutsche Dogge« zum Nationalhund zu erklären.

Anekdoten: Bismarck und seine Doggen

Fürst Otto von Bismarck war bekannt für seine Bewunderung dieser Rasse, und  er besaß auch einige Hunde (Deutsche Doggen). Einer von ihnen  verursachte fast einen internationalen Zwischenfall, als er einem  russischen Diplomaten seine Abneigung bekundete. Zwischen dem deutschen  Kanzler und dem russischen Premierminister Gortschakoff war eine  lebhafte Unterhaltung im Gange. Der letztere gestikulierte viel heftiger als gewöhnlich, was die Dogge Tyras, die auf ihrer Decke lag, dazu  verleitete, einen Angriff auf ihren Herrn zu vermuten. Sie sprang den  stolzen Russen an und warf ihn zu Boden. Viele Entschuldigungen wurden  vorgebracht und auch angenommen. Gortschakoff war nicht gebissen,  sondern nur erschreckt worden; so blieb der Friede in Europa ungestört.
Wenn eine andere Deutsche Dogge des Fürsten Bismarck, Sultan, irgendjemand  nicht mochte, pflegte der Kanzler diese Beurteilung in seiner  Entscheidung zu berücksichtigen.

… als Jurastudent und Beamter in Berlin, während seiner Reisen in viele Länder, während seiner  diplomatischen Karriere in Frankfurt, St. Petersburg, Paris und  anderswo, auch in Varzin und Friedrichsruh, hat Bismarck immer die  Gesellschaft eines oder mehrerer seiner bevorzugten Hunde gehabt.  Wahrscheinlich war Sultan, der 1877 in Varzin starb, seine  Lieblingsdogge.
Von allen Hunden, die einen Platz in der Geschichte  haben, ist Tyras die berühmte Ulmer Dogge des deutschen Kanzlers – der  einzige, dessen Tod für so wichtig gehalten wurde, dass er als Ereignis  nicht nur von europäischem sondern von kosmopolitischem Interesse durch  die ganze Welt gekabelt wurde. Tatsächlich endete der Ruf von Tyras  nicht einmal mit seinem Leben; denn das Kabel hat der Welt darin  berichtet, dass der erste Besucher danach am Geburtstag des Fürsten der  jugendliche Kronprinz war, der als Geschenk einen neuen Hund vom Typ des betrauerten Tyras mitbrachte.
Fast 60 Jahre lang besaß Fürst  Bismarck Exemplare Deutscher Doggen, unter denen gewöhnlich eine oder  sogar mehrere von außergewöhnlicher Größe waren. Sein erster Hund, den  er bekam, als er mit seinen Eltern in Kniephof lebte, war einer der  größten, furchteinflößendsten bei den Bauern der Umgebung. Dieser Hund  begleitete seinen jungen Herrn später auf die Universität nach  Göttingen, wo er sich schnell einen Namen machte. Als Bismarck einmal  vor den Rektor zitiert wurde, weil er eine leere Flasche aus dein  Fenster geworfen hatte, nahm er seinen gewaltigen Hund mit zum großen  Schrecken des ehrwürdigen Herrn, der prompt seine Zuflucht hinter einem  Lehnstuhl fand, wo er auch blieb, bis der Hund aus dem Zimmer entfernt  wurde.
Bismarck wurde zu einer Geldstrafe von fünf Talern  verurteilt, weil er dieses Furchtbare Biest das Heiligtum des Rektors  gebracht hatte, zusätzlich zu der Strafe, die ihm für das ursprüngliche  Vergehen zugemessen wurde.

Die Deutsche Dogge unserer Tage

Die verschiedenen Farbschläge

Die Deutsche Dogge wird heute in fünf anerkannten Farben: Weiß/ Schwarz  gefleckt, Schwarz, Blau, Gelb und Gelb/gestromt gezüchtet. Diese Farben  dürfen jedoch in der Zucht nicht beliebig miteinander vermischt werden.  Sie werden zu drei Gruppen oder Farbvarietäten Weiß/Schwarz gefleckt und Schwarz, Blau, Gelb und Gelb/gestromt zusammengefasst.
Von allen  Farben ist wohl die Zucht des gefleckten Farbschlages am schwierigsten.  Man hat diese Zucht scherzhafterweise auch oft die Zucht für Millionäre  bezeichnet. Die Züchter dieser Farbe begeben sich gewissermaßen in ein  Lotteriespiel. Die Zusammenführung von gutgefleckten Elterntieren kann  durchaus dazu führen, dass nicht ein einziges gutgeflecktes Tier  erscheint, sondern der Wurf aus schwarzen Tieren oder sogar aus  sogenannten Fehlfarben besteht, die wir Grautiger, Porzellantiger und  Albinos nennen. Der Leser möge hierüber mehr in den Rassekennzeichen  nachlesen. Wir wollen hier nicht untersuchen, warum das so sein kann.  Die Vererbung von Farben und dem überdies bei diesem Farbschlag  hinzutretenden Merlefaktor ist ein Kapitel für Fachleute.
Der  gelb/gestromte Farbschlag ist farblich “relativ” einfach zu züchten. Das Ergebnis eines Wurfes lässt sich in dieser Hinsicht vorbestimmen. Gelb  mit Gelb gepaart wird immer wieder gelben Nachwuchs ergeben, der sich  lediglich in den Schattierungen von Gelb unterscheidet. Man bezeichnet  das als rezessiven Erbgang, beide Elterntiere besitzen nur Gene der  gelben Farbe. Die Züchter haben die Erfahrung gemacht, dass die Farbe  verblasst und fahl wird, wenn nur immer wieder Tiere derselben Farbe  zusammengebracht werden. Deshalb kreuzen sie zur Pigmentauffrischung  immer in bestimmten Abständen Gelb mit gestromt. in dem Wurf sind dann  gelbe und gestromte Welpen zu erwarten. Gestromt mit Gestromt gepaart  ergibt in der Regel gelbe und gestromte Welpen. Züchter, die nur  gestromte Doggen untereinander paaren, haben zu erwarten, dass die  schwarze Stromung immer dichter zusammenwächst und die verbleibende  Grundfarbe fahl oder aschig wird. Beides sieht unschön aus. Daher wird  auch hier immer wieder im Wechsel von Gelb und gestromt gezüchtet. Wenn  Sie sich als Käufer einmal solch einen gerade geborenen Wurf dieses  Farbschlages ansehen, erschrecken Sie nicht, die Kleinen wirken farblich gesehen »schmuddelig-aschig« und haben oft einen dunklen Aalstrich auf  dem Rücken. Mit zunehmendem Alter werden Farbe und Zeichnung immer  klarer.
Wie die gelben Doggen, so besitzen auch die blauen nur einen Farbstoff. Blau mit Blau gepaart ergeben daher immer wieder blaue Welpen. In der Vergangenheit hat das bei einer kleinen Zuchtbasis zu  Inzuchtschäden geführt. Man hat daher von Zeit zu Zeit in diesen  Farbschlag eine Gelbeinkreuzung vorgenommen. Durch diese wohldosierte  Fremdenkreuzung wurden nicht nur Fehler beseitigt, sondern es hat auch  zu dem Ergebnis geführt, dass sich der Typ dieses Farbschlages  verbessert hat. Traf man sonst auf blaue Doggen, die sehr schlank im  Körperbau waren und zarte, fast an den Dobermann erinnernde Köpfe  trugen, so finden sich heute durchweg Tiere, die zu dem eleganten  Körperbau den markanten Kopf tragen, wie er bei den Exemplaren des  gelb/gestromten Farbschlages vorherrscht. Eine sogenannte  Gelbeinkreuzung erzeugt in der ersten Generation schwarze Tiere. Auf den Ahnentafeln werden diese schwarzen Tiere gekennzeichnet und dürfen nur  für die Blauzucht herangezogen werden. Sie sind züchterisch nicht zu  verwechseln mit den schwarzen Tieren aus der Geflecktzucht.

Standard und Zuchtbuch

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Zuchtwahl der Doggen noch  weitgehend intuitiv gesteuert. In einem Handbuch für Jäger (1820 Winkel) sind zum Beispiel die Anforderungen aufgenommen, die an die Hetzhunde  des 18. Jahrhunderts gestellt wurden. »Ein guter Hetzhund – sei er übrigens gefärbt und gezeichnet wie er wolle – muss einen starken, nicht zu kurzen Kopf, welcher in einer etwas langen zugespitzten, mit vier  guten Fängen bewaffneten Schnauze ausgeht, und eine breite Brust haben,  auch kurz und stark gekeult sein. Den Läufen darf es an der gehörigen  Stärke nicht fehlen. Ein Hauptfehler ist aber, wenn sie gänselatschig  sind, das heißt, wenn sie im Fesselgelenk durchtreten.« Wenn wir uns  heute fragen, ab wann man von einer planmäßigen Zucht Deutscher Doggen  sprechen kann, so kann man vom Jahre 1879 ausgehen, dem Jahr der ersten  Züchterversammlung, in dem auch ein gemeinsamer Standard beraten wurde.  Ein Standard beinhaltet eine mehr oder weniger ausführliche Beschreibung einer Rasse wie Kopf, Hals, Rumpf, Größe, Farbe und dergleichen mit  Angabe der auszumerzenden Fehler. Dabei wird ein bestimmter Zuchttypus,  das heißt, das wohl selten erreichte “ldealtier”, zugrunde gelegt. Der  Standard, auf den wir uns heute beziehen, reicht in das Jahr 1891  zurück. Er wurde vom Deutschen Doggen-Club herausgegeben, der sich im  Jahre 1888 zur Förderung dieser Rasse gegründet hatte. Im Jahre 1897 erschien der erste Band des Deutschen Doggen-Stammbuches mit 538  Eintragungen. Herausgeber dieses Buches war der Deutsche Doggenclub.

(Auszug aus dem Buch “Winfried Nouc – Die Dogge” ISBN 3-481-2621-9)